Ergo bibamus
Text
- Hier sind wir versammelt zu löblichem Tun, drum, Brüderchen, ergo bibamus! Die Gläser, sie klingen, Gespräche, sie ruhn: beherziget: ergo bibamus! Das heisst noch ein altes, ein tüchtiges Wort, es passet zum ersten und passet so fort und schallet ein Echo vom festlichen Ort, [: ein herrliches: ergo bibamus! :]
- Ich hatte mein freundliches Liebchen gesehn, da dacht’ ich mir: ergo bibamus! Und nahte mich traulich, da liess sie mich stehn; ich half mir und dachte: bibamus! Und wenn sie versöhnst euch herzet und küsst, und wenn ihr das Herzen und Küssen vermisst, so bleibt nur, bis ihr was Besseres wisst, beim tröstlichen ergo bibamus!
- Mich ruft mein Geschick von den Freunden hinweg: ihr Redlichen, ergo bibamus! Ich scheide von hinnen mit leichtem Gepäck, drum doppeltes: ergo bibamus! Und was auch der Filz von dem Leibe sich schmorgt, so bleibt für den Heitern doch immer gesorgt, weil immer dem Frohen der Fröhliche borgt: drum, Brüderchen: ergo bibamus!
- Was wollen wir sagen zum heutigen Tag? Ich dächte nur ergo bibamus! Er ist nun einmal von besonderem Schlag, drum immer aufs neue: bibamus! Er führet die Freude durchs offene Tor, es glänzen die Wolken, es teilt sich der Flor, da scheint uns ein Bildchen, ein göttliches, vor, wir klingen und singen: bibarnus!
Goethe, 1810
Melodie
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