Papst und Sultan
Text
- Der Papst lebt herrlich in der Welt, er lebt von seinem Ablassgeld, [: er trinkt vom allerbesten Wein; drum möcht ich auch der Papst wohl sein. :]
- Doch nein, er ist ein armer Wicht, ein holdes Mädchen küsst ihn nicht, er schläft in seinem Bett allein; ich möchte doch der Papst nicht sein.
- Der Sultan lebt in Saus und Braus, er wohnt in einem grossen Haus voll wunderschöner Mägdelein; drum möcht ich wohl der Sultan sein.
- Doch nein, er ist ein armer Mann, denn folgt er seinem Alkoran, so trinkt er keinen Tropfen Wein; ich möchte doch nicht Sultan sein.
- Geteilt veracht ich beider Glück und kehr in meinen Stand zurück, doch das geh ich mit Freunden ein: bald Papst, bald Sultan möcht ich sein.
- Drum, Mädchen, gib mir einen Kuss, denn jetzt bin ich der Sultanus. Ihr trauten Brüder, schenket ein, damit ich auch der Papst kann sein.
Nach C. G. L. Noack, 1789
Weblink: 136